DISSERTATIONEN der Technischen Universität Wien , Nr. 93; Projektieren, Konzipieren, Konstruieren, Bauen, Sanieren, Demolieren: Architektonische (Un)Kultur in Österreich , Band 3
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Der ländliche Raum ist seit 1945 starken Veränderungen unterworfen, wobei soziale, kulturelle, ökonomische, ökologische und räumlich-strukturelle Wandlungsprozesse stattgefunden haben. Die Lebensbedingungen in den Dörfern haben sich einerseits verbessert, andererseits sind durch den Strukturwandel viele Funktionen verloren gegangen. Um diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, sind seit Beginn der 70er Jahre zahlreiche Initiativen gestartet worden, die sich mit dem ländlichen Raum auseinandersetzen. Neue Raumordnungs- und Raumplanungsinstrumente für Gemeinden und Regionen wurden notwendig. Dazu zählen einerseits auf Gemeindeebene die kommunale Entwicklungsplanung, vor allem aber die Dorferneuerung, die heute als ein "Bottom-Up"-Prozess von Erneuerung, Erhaltung und Weiterentwicklung des "Lebensraumes Dorf" verstanden wird. Da Planungsprozesse, die nur auf die Gemeinde oder gar nur einen Ort konzentriert waren, oft nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, werden nun verstärkt (klein)regionale Entwicklungskonzepte erarbeitet. Auch von der Europäischen Gemeinschaft wurde die Notwendigkeit von Förderungsprogrammen für den ländlichen Raum erkannt. Vor allem an dem Gemeinschaftsprogramm LEADER II sind bereits einige Regionen in Österreich beteiligt. Den Schwerpunkt (dritter Teil) bildet die vergleichende Analyse von sechs Beispielen zu Entwicklungs- und Erneuerungsprozessen im ländlichen Raum, die nach drei Planungsebenen gegliedert wurde. Zunächst werden Gemeinden vorgestellt, bei denen ein Entwicklungsprozess durch ein konkretes Projekt initiiert wurde. Auf der nächsten Ebene werden "umfassende" Dorferneuerungsprozesse für Gemeinden verglichen und zuletzt regionale Planungsansätze betrachtet. Gemeinsam ist allen Beispielen die Einbeziehung der betroffenen Bürger in den Planungsprozess, denn die Durchsetzbarkeit von Planungsvorstellungen hängt in immer größerem Ausmaß von der Akzeptanz der am Planungsprozess Beteiligten ab. Voraussetzung für eine eigenständige Entwicklung des ländlichen Raumes ist die Entwicklung regionaler Identität. Dies erfordert die Bewußtseinsbildung der Bevölkerung, die auf kommunaler Ebene ansetzen kann, sich aber auch auf die regionale Ebene ausweiten muss. Durch das Bewußtmachen der eigenen Stärken, Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit, Schaffung eines geeigneten Diskussionsklimas, Aktivierung und Vernetzung lokaler und regionaler Potentiale kann die im Laufe der Zeit in vielen ländlichen Gebieten aufgekommene Resignation überwunden werden. Nachhaltige Entwicklungs- und Erneuerungsprozesse im ländlichen Raum müssen daher aus dem Ort, aus der Region selbst kommen, müssen endogene und iterative Prozesse sein, bei denen auch ein Hinterfragen der Ergebnisse durch den zeitlichen und räumlichen Aspekt der Rückkoppelung erforderlich ist.